Der Welttag der FremdenführerInnen geht auf den 21. Februar 1985 zurück, an dem der Weltverband der Fremdenführervereine (World Federation of Tourist Guide Associations) mit Sitz in Wien gegründet wurde. Seit 1989 wird an dieses Ereignis mit einem Welttag gedacht, rund um den die FremdenführerInnen ihre Arbeit und die Region, in der und für die sie arbeiten, vorstellen.

In Villach ließen sich heuer neun Fremdenführerinnen etwas Besonderes einfallen: Sie schlossen sich zu Dreier-Teams zusammen und führten so in drei Gruppen das zahlreich erschienene Publikum mit Auszügen aus ihrem vielfältigen Programm an Themenführungen durch die Stadt. Jede Gruppe erhielt zum Abschluss eine kleine Stärkung durch einen ortsansässigen Gastronomiebetrieb, darüber hinaus gab es in jeder Gruppe eine Verlosung einer Gratis-Themenführung. Das gesamte Programm fand einmal am Vormittag und einmal am Nachmittag statt.

Wir ließen uns diese Gelegenheit trotz des wenig einladenden Wetters nicht entgehen. Am Vormittag entschieden wir uns für die Gruppe mit den Themenbereichen Drau/Draubrücke/Bilderbibel. Startpunkt der Führung war das Relief der mittelalterlichen Stadt Villach.
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Davon ausgehend erfuhren wir viel über die Geschichte der Stadt, die eng verbunden war mit der Geschichte der Drau bzw. der Brücke über die Drau.
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Dem Fluß entlang führte unser Weg bis zur Heiligenkreuzkirche, der einzigen vollständig barocken Kirche in Kärnten.
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In der Passionszeit, der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern, wird der Altar der Kirche von einem Fastentuch verhüllt. Dieser Brauch blieb besonders im Kärntner Raum verbreitet, Schätzungen zufolge existieren hier noch an die 300 solcher Fastentücher. Jenes in der Heiligenkreuzkirche stammt aus dem Jahr 1995 und kann diesbezüglich bei weitem nicht mit dem ältesten Fastentuch im Dom von Gurk aus dem Jahr 1458 mithalten. Dennoch erzählt diese Bilderbibel in beeindruckender Weise Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament, die durch die besondere Anordnung thematisch und theologisch miteinander verknüpft sind.
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Den Abschluss der Führung bildete das Hotel Goldener Lamm am Beginn des Hauptplatzes. Dieses war seinerzeit das Mauthaus für die Draubrücke, die Säule im Gastraum zeugt noch von der Geschichte des Hauses.
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Die gastfreundliche Besitzerin des Hauses begrüßte die gesamte Runde auf das Herzlichste und lud alle auf eine wirklich sehr großzügige und wohlschmeckende Stärkung ein.

Nach der Mittagspause entschieden wir uns aufgrund der interessanten Themen, der sehenswerten Orte und der netten Begegnungen, auch bei der zweiten Runde mitzumachen. Wir wählten diesmal die Themenbereiche Bamberg/Religion und Toleranz/Kommerz.

Das Thema der religiösen Toleranz in Geschichte und Gegenwart ist in Villach allgegenwärtig: Die evangelische Kanzel in der katholischen Stadtpfarrkirche, die Moscheen im Stadtgebiet, das Denkmal von Joseph II., der für das Toleranzpatent verantwortlich war, oder die Burgkapelle, die von den Altkatholiken und der serbisch-orthdoxen Gemeinde gemeinsam benutzt wird, sind nur einige Beispiele.
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Besonders interessant war bei dieser Führung, wie es die Fremdenführerinnen schafften, die unterschiedlichen Themen fließend miteinander zu verknüpfen. So war der Übergang von der Stadtpfarrkirche zu Industrie und Handel schnell hergestellt und der Besuch in einem Handwerksbetrieb (Lederwerkstatt Sima) die logische Folge.
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Dass Villach über 750 Jahre im Besitz des Hochstiftes Bamberg war und erst zu Maria Theresias Zeiten zu Österreich kam, hinterließ in der Stadt Spuren. Die markanteste ist die Burg, der bambergische Verwesersitz. Mittlerweile wurde sie zu einem Wohnhaus umgebaut, ein öffentlich zugänglicher, archäologischer Schauraum und die Arkaden zeigen noch immer die ehemalige Bedeutung dieses Gebäudes. Die meisten der im Schauraum ausgestellten Exponate stammen von den im Zuge der Renovierung ausgegrabenen Abfallhäufen der Burg, die viel über die ehemaligen Bewohner und ihr Leben erzählen.
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Auch diese Führung ging mit einer Stärkung zu Ende, diesmal in der Konditorei Bernold. Die insgesamt vier Stunden geführter Wanderung durch die Villacher Altstadt waren alles andere als langweilig. Die Villacher Fremdenführerinnen haben gezeigt, dass sie ihr Handwerk verstehen und das Publikum fesseln können. Wir haben natürlich Lust bekommen, bei der einen oder anderen der ungefähr 120 Themenführungen in diesem Jahr mitzumachen. Dadurch erhielt der Preis für eine Gratisführung, den unser Junior bei einer der erwähnten Verlosungen gewann, gleich doppelten Wert. Nähere Informationen zu den Terminen und Themen der Führungen hat die Tourismusinformation Villach, der gemeinsam mit den neun Villacher Fremdenführerinnen für die gelungene Organisation des Welttags der FremdenführerInnen in Villach zu gratulieren ist. Die Führungen sind auch zu finden im Veranstaltungskalender auf der Webseite der Tourismusinformation (zu verwendende Filter bei der Suche: Lage = Villach Stadt, Veranstaltungsart = Exkursionen / Ausflüge).

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