Nicht einmal 60 Straßenkilometer von Klagenfurt entfernt liegt die Altstadt von Kranj auf einem Hügel zwischen den Flüssen Save und Kokra. Diese Lage erschien uns vielversprechend für einen Besuch in der viertgrößten Stadt Sloweniens.

Die Altstadt:

Diese ist recht überschaubar, liegt sie jedoch genau auf besagtem Hügel. Die Ursprünge gehen auf einen mittelalterlichen Entwurf zurück, der der Stadt eine Pyramiden-Form verleiht, betont durch die Anordnung der Kirchtürme.

Wir parkten unser Auto in , einer kleinen Gasse im Süden der Altstadt. Von dort ist es nur ein kurzer Weg über eine steile Gasse und Stufen bis ins Zentrum. Am oberen Ende der Vodopiveva ulica sind neben der Rosenkranzkirche aus dem 16. Jahrhundert freistehende Arkaden und ein terrassenförmiger Brunnen zu finden. Jože Plečnik, einer der berühmtesten Architekten Sloweniens, schuf damit in den 1950er-Jahren einen monumentalen Stadteingang.

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Nach dem Erklimmen der Stufen beim Brunnen rechts haltend befanden wir uns unmittelbar in jener Straße, die die Altstadt von Norden nach Süden durchzieht. In südlicher Richtung nicht weit entfernt erblickten wir eine weitere Kirche.

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Diese stammt ursprünglich aus dem 15. Jahrhundert und liegt im Stadtteil Pungert. Der Name leitet sich aus dem deutschen „Baumgarten“ ab, da sich in diesem Gebiet die Gärten der Bürger befanden, wohin sie im Gefahrenfall (z.B. bei Bränden) flüchteten. Unmittelbar neben der Kirche liegt der einzige komplett erhaltene Wehrturm der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Diese war ursprünglich 870 Meter lang (Reste davon sind an vielen Stellen rund um die Altstadt zu finden) und besaß insgesamt neun Wehrtürme.

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Neben dem Turm warfen wir von einer kleinen Aussichtsplattform einen ersten Blick in die Kokra-Schlucht, die wir uns später noch genauer ansehen wollten. Danach gingen wir wieder Richtung Norden auf das eigentliche Zentrum von Kranj zu. Links und rechts der Straße vermittelten die maximal zweistöckigen Häuser, von denen das eine oder andere durchaus eine Renovierung vertragen würde, und einladende Straßencafés typisches Kleinstadtflair.

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Die Hinterhöfe der Häuser versetzten uns teilweise in längst vergangene Jahrhunderte.

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Unmittelbar bei der Stadtpfarrkirche St. Kanzian öffnet sich der Platz. Er wird beherrscht von der monumentalen Statue des slowenischen Nationaldichters France Prešeren, der in Kranj seine letzten Lebensjahre verbrachte (mehr dazu später), vor dem nach ihm benannten Theater.

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Die Kirche selbst aus dem 15. Jahrhundert zählt zu den wichtigsten gotischen Baudenkmälern Sloweniens.

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Von der Kirche führten uns nur wenige Schritte bis zum Hauptplatz von Kranj mit dem Brunnen in der Mitte. Dort befindet sich auch das Tourismusbüro, wo wir viele nützliche Informationen über die Stadt erhielten.

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Die Tunnel:

Das Tourismusbüro ist Treffpunkt für die Führungen in die unterirdischen Tunnel von Kranj. Diese finden aktuell immer dienstags und freitags um 17:00 Uhr, sowie samstags und sonntags um 10:00 Uhr statt und kosten 3 Euro pro Person. Bei unserem Besuch waren wir die einzigen Teilnehmer, sodass wir die perfekt Englisch sprechende Führerin ganz für uns hatten.

Um zum Tunnel zu gelangen, ging sie mit uns wieder über Stufen den Altstadt-Hügel hinunter. Direkt beim Tunneleingang fielen uns die riesigen Arkaden auf. Diese dienen der Stütze der brüchigen und ausgehöhlten Felswand. Der Untergrund der Altstadt besteht zum Großteil aus Konglomerat-Gestein, das nicht sehr stabil ist, wodurch es immer wieder zu Abbrüchen an den Steilwänden kommt.

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Die Tunnel unter der Stadt sind ungefähr 1.300 Meter lang. Sie wurden 1944 auf Betreiben der deutschen Besatzer gebaut, um der Bevölkerung Schutz vor Luftangriffen zu bieten. Aus Mangel an strategischer Bedeutung und wichtiger Industrie wurde Kranj nie bombardiert. Trotzdem wurden gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die Tunnel als Schutzbunker benutzt, als die Alliierten über die Stadt hinwegflogen. Doch nahmen dies eher jene Deutschen in Anspruch, die Luftangriffe bereits aus ihrer Heimat kannten. Die slowenische Bevölkerung war gelassener und blieb an der Oberfläche. Die Tunnel wurden nach dem Krieg ihrer selbst überlassen, bis in den 1980er- und 1990-Jahren Teile davon zur Aufzucht von Champignons benutzt wurden. Da aufgrund des slowenischen Unabhängigkeitskrieges 1991 eine Gefährdung der Bevölkerung nicht auszuschließen war, begann man, die Eingangsbereiche und die elektrischen Leitungen zu erneuern. Aber erst nach der Jahrtausendwende konnten die Tunnel von dem jahrzentelang in ihnen angehäuften Müll unter tatkräftiger Mithilfe der Bevölkerung befreit werden, sodass sie seit 2008 wieder öffentlich zugänglich sind.

Unser Weg durch die Tunnel begann bei dem Eingang, der am folgenden Plan mit „1“ gekennzeichnet ist, führte uns quer unter die Altstadt hindurch zum Eingang „2“, bei dem wir den Untergrund kurz verließen, um einen weiteren Blick in die Kokra-Schlucht werfen zu können und beim Eingang „3“ diesen wieder zu betreten.

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Im Verlauf der etwa einstündige Führung erfuhren wir viel Wissenswertes über das unterirdische Kranj. So gibt es weitere, nicht zugängliche Tunnelbereiche wie z.B. ein unterirdisches Wasserreservoir direkt unter dem Hauptplatz als Reserve für die Brandbekämpfung oder ein Laboratorium, in dem die Lebensweise des seltenen Grottenolms studiert wird.

Der Großteil der begehbaren Tunnels ist mit Beton ausgekleidet, eine Notwendigkeit aufgrund des brüchigen Gesteins. Steine und Mineralien sind das Thema einer kleinen Ausstellung im Bereich des Eingangs „3“. Eine weitere Ausstellung im Tunnel beschäftigt sich mit dem Wirken von Josip Slavec, einem der Erbauer der Tunnel.

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Die Tunnel werden auch als Veranstaltungsräume benutzt, z.B. für Auftritte von Bands oder das alljährliche Weinfest im Herbst.

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Den Abschluss der Runde bildete eine Ausstellung über Slowenien im Zweiten Weltkrieg mit einer Simulation eines Luftangriffs in einem Bunker. Diese blieb uns aber aufgrund eines technischen Defekts verwehrt. So hatten wir zumindest kein so beklemmendes Gefühl, als wir bei Eingang „5“ wieder die Oberfläche erreichten. Allerdings mussten wir wieder zahlreiche Stufen nach oben bewältigen, wir landeten direkt im bereits beschriebenen Pungert.

Die Kokra-Schlucht:

Direkt vom Hauptplatz von Kranj zweigt die Poštna ulica in Richtung Osten ab. Unmittelbar links vor der großen Brücke über die Kokra führen viele Stufen hinunter in die 30 Meter tiefer gelegene Schlucht, eine Naturoase mitten in der Stadt. Unten angekommen nahmen wir den linken Weg und folgten diesen immer den Flusslauf entlang.

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Bei der nächsten Brücke blieben wir zunächst auf der gewohnten Flussseite und gingen weiter, bis der breite Weg an den Resten von Jurijs Mühle (benannt nach einem ehemaligen Mieter) endete. Allerdings erinnern nur mehr wenige Mauerreste an die Gebäude, die im 18. Jahrhundert in einem herausgehauenen Felsen errichtet und 1915 durch einen Felssturz zerstört wurden.

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Wieder zurück bei der Brücke überquerten wir diese, um den Rest des Rückweges von der anderen Uferseite aus zu genießen. Ein besonderer Geruch stieg uns in die Nase, da der Boden des Waldes mit Bärlauch bedeckt war.

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Die Landschaft auf dem ungefähr zwei Kilometer langen Rundweg präsentierte sich sehr abwechslungsreich. Kurz vor dem Ende konnten wir am anderen Ufer neben faszinierenden Wurzelgebilden noch Reste von Stufen erkennen. Diese sind Relikte der öffentlichen Badeanstalt, die von 1900 bis 1916 und dann noch eine kurze Zeit nach dem Ersten Weltkrieg existierte.

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Über die Holzbrücke führte uns der Weg wieder zum Ausgangspunkt, der mühsame Aufstieg über die Stufen leitete uns von der Natur zurück in die Stadt.

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Die Museen:

Im Zentrum von Kranj befinden sich vier sehenswerte Museen, die alle mit einem Museumspass zum Preis von 7 Euro pro Person besichtigt werden können. Wir begannen den Rundgang im Schloss Khislstein, das die Dauerausstellung „Wunderschönes Gorenjska“ beherbergt. Das Schloss befindet sich ungefähr auf der Höhe der Stadtpfarrkirche in der Tomšičeva ulica, die auf der Westseite die Altstadt ebenfalls von Nord nach Süd durchquert. Auf zwei Stockwerken in den relativ frisch renovierten Räumen des Schlosses wird in sehr anschaulicher Form über die Geschichte von und das Leben in der Region rund um Kranj erzählt.

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Unser nächstes Ziel war das Rathaus am Hauptplatz. In diesem bedeutenden Gebäude aus der Renaissance-Zeit sind neben einer Ausstellung des Bildhauers Lojze Dolinar die archäologische Sammlung der Stadt sowie jene über die Volkskunst in der Region zu sehen.

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Das Beinhaus von Kranj ist nicht ständig zugänglich. Wir wurden von einer Museumsmitarbeiterin im Rathaus abgeholt, die uns zum Beinhaus neben der Kirche St. Kanzian führte und dieses für uns aufsperrte. In diesem Raum unter dem Platz sind die Reste jener Toten aufgestappelt, die bei Grabungen rund um die Kirche gefunden wurden. Der Friedhof wurde im 18. Jahrhundert aufgelassen, von dem spätantiken Baptisterium, dem ursprünglichen Beinhaus aus dem 13. Jahrhundert und der Friedhofskapelle aus dem 15. Jahrhundert sind noch Mauerreste zu sehen.

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Den Abschluss unseres Tages bildete der Besuch des Prešeren-Hauses in der Nähe des Hauptplatzes in dessen Verlängerung nach Norden. Darin wohnte und arbeitete der slowenische Nationaldichter France Prešeren von 1846 bis zu seinem Tod 1849. Neben einer Ausstellung zu seinem Leben und Werk sind Originalmöbel seiner Wohnung und seiner Anwaltskanzlei zu sehen. Für uns war natürlich interessant, dass der Dichter, der vor allem durch seine Lyrik bekannt wurde (ein Teil eines seiner Gedichte ist heute die slowenische Nationalhymne), einen großen Bezug zu Klagenfurt hatte, da er viele Jahre lang dort lebte.

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Wir hoffen, mit unserem Bericht euch das Kleinod Kranj etwas schmackhaft gemacht zu haben. Ein Besuch ist auf jeden Fall zu empfehlen, gibt es doch auf engstem Raum so viel Unterschiedliches zu entdecken, wie auch in dem kurzen Video-Clip von unserem Besuch zu sehen ist:

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Kartenausschnitt © OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA

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