Die kleine Ortschaft Nötsch im Gailtal am Fuß der steilen Felswand des Dobratsch ist unter Kunstinteressierte bekannt durch den Nötscher Kreis. Zu diesem Bund gehörten Künstler, die entweder hier geboren wurden – Franz Wiegele (1887 – 1944), Sebastian Isepp (1884 – 1954) – oder deren Lebenswege sich in Nötsch trafen – Anton Kolig (1886 – 1950), Anton Mahringer (1902 – 1974).

Dieser Kreis wurde durch eine fast schicksalshaft anmutende Begebenheit zerrissen: 1944 traf eine Fliegerbombe das Wohnhaus Franz Wiegeles, das zugleich sein Atelier war, und tötete ihn und einen Teil seiner Familie. Nötsch, das weder militärisch noch strategisch von Bedeutung war, rückte von einem Moment auf den anderen in das Zentrum des Geschehens. Auch das benachbarte Wohnhaus Anton Koligs wurde getroffen. Der Maler überlebte wie seine Frau zwar schwer verletzt, litt aber die restlichen Jahre seines Lebens an den Folgen dieses rätselhaften Angriffs. Die Kunstwelt verlor dadurch nicht nur die Chance auf das Spätwerk bedeutender Maler, sondern auch einen Punkt, an dem sich immer wieder die Wege der bedeutendsten österreichischen Kunstschaffenden aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kreuzten.

Weniger bekannt ist, dass dazu auch Frauen gehörten, die entweder Schülerinnen der genannten Maler waren oder diese in Nötsch besuchten, um sich von ihnen oder der umgebenden Landschaft Anregungen für ihre Arbeiten zu holen. Diesen Frauen ist die diesjährige Ausstellung des Museums des Nötscher Kreises gewidmet, die noch bis zum 29. Oktober zu sehen ist.

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Die Werke der Künstlerinnen werden mit jenen der Nötscher Maler verbunden. Die Anordnung der Bilder in der Ausstellung zeigt Gemeinsamkeiten in Themenwahl und Stil aber auch Gegensätze. Wir wollen euch hier einige Beispiele dieser Gegenüberstellungen zeigen, ohne genauer darauf einzugehen, welches Bild von wem stammt. Dies soll als Anregung verstanden werden, selbst das Museum des Nötscher Kreises zu besuchen.

Hilde Frodl und Anton Mahringer:

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Lisl Engels-Cech und Franz Wiegele:

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Maria Lassnig und Franz Wiegele:

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Rose Sommer-Leypold und Anton Kolig:

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Cornelia Gurlitt und Anton Kolig:

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Regina Mahringer-Peschges und Anton Kolig:

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Bei unserem Besuch ist die Frage aufgetaucht, ob der Grund, warum von den genannten Malerinnen Maria Lassnig die bekannteste ist, darin liegt, dass sie kinderlos blieb und sich nicht um eine Familie sorgen musste. Ist es das Los der Frauen, dass sie entweder stark im Beruf oder stark in der Familie sein können? Diese Frage wollen wir einmal so im Raum stehen lassen. Als Beispiel, dass beide Punkte machbar sind, kann Hermine Wiegele herangezogen werden, die gute Seele jenes Hauses, in dem das Museum des Nötscher Kreises untergebracht ist. Sie war maßgeblich dafür verantwortlich, dass das Museum 1998 eröffnet werden konnte. Persönliche Anstrengungen und der Einsatz finanzieller Mittel waren notwendig, um diese Institution entstehen zu lassen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Andenken des Nötscher Kreises zu erhalten und dessen Kunst weiterzuvermitteln. In das Bild der starken Frauen in Nötsch passt natürlich auch Birgit Kassl, die als Leiterin des Museums maßgeblich für die Qualität der Kunstvermittlung verantwortlich ist, die man so in einer ländlichen Region eigentlich nicht erwartet.

Zurück zum leidigen Thema „Geld“: Gerade für die Restaurierung der Kunstwerke muss immer wieder viel davon aufgetrieben werden, denn in den seltensten Fällen dachten die Künstler bei der Herstellung ihrer Werke, dass diese für die Ewigkeit geschaffen werden sollen. Genauso aufwendig ist der Erhalt des Anwesens selber. Das Museum ist im Geburtshaus Franz Wiegeles untergebracht, daran angeschlossen ist eine Bäckerei und die letzte Mühle im Gailtal, seit 1876 im Besitz der Familie des vor acht Jahren verstorbenen Mannes von Hermine und Neffen von Franz Wiegele.

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Immer, wenn wir das Wiegele-Haus besuchen, sehen wir Hermine fleißig bei der Arbeit und trotzdem hat sie immer für herzliche Worte Zeit. Obwohl sie bereits die Hälfte ihres achten Lebensjahrzehnts überschritten hat, ruht sie sich nicht auf ihren Lorbeeren aus, zu denen neben den genannten Leistungen auch die Erziehung von fünf Kindern und die Initiierung des Nötscher Polentafestes zählt, das in diesem Jahr zum 25. Mal über die Bühne gehen wird. Dass die Reihe starker Frauen in Nötsch weitergeht, dafür sorgt Michaela Christiane Wiegele, Tochter des Hauses und selbst Künstlerin, die am 28. Mai 2017 zur Eröffnung einer weiteren Ausstellung ihrer Werke in das Wiegele-Haus einlädt.

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