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Bohinj ist jenes Gebiet in den Julischen Alpen, das im Westen vom größten Natursee Sloweniens, dem Bohinjsko jezero (deutsch: Wocheiner See) begrenzt wird.

Wir besuchten dort drei Museen, die zu dem Verband der Museen in der Region Gorenjska gehören. Die anderen Museen in diesem Verband befinden sich in Kranj – mehr davon in unserem Bericht Kranj – Kleinod auf dem Hügel.

Wir begannen unsere kleine Reise in Bohinjska Bistrica, dem Hauptort des Tales. Von weitem sahen wir bereits die markante Kirche aus dem 19. Jahrhundert. Diese ist dem Heiligen Nikolaus geweiht und fällt durch einen eigenartigen Architekturmix aus Neoromantik und Neorenaissance auf, womit sie sich vom barocken Vorgängerbau abhebt.

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Nun wollen wir uns aber dem ersten Museum widmen: Dieses befindet sich ebenfalls in Bohinjska Bistrica und ist nach Tomaž Godec benannt. Er wurde 1905 in dem Haus, welches das Museum beherbergt, geboren und gilt als Pionier für Wintersport und Tourismus in Bohinj. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er an der Seite der Partisanen und wurde 1942 in Mauthausen ermordet.

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Den Partisanen bzw. deren medizinische Behandlung in den Waldkrankenhäusern, die es damals verstreut in der Region gab, ist ein erster Raum im Erdgeschoß des Museums gewidmet.

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Nach einem kleinen Bereich über den Dichter France Prešeren, den wir ebenfalls bereits von unserem Besuch in Kranj kennen, und der ein berühmtes Gedicht über einen Wasserfall in Bohinj geschrieben hat, besichtigten wir die ehemalige Lederwerkstatt der Familie Godec. Die für das Gerben benötigten Geräte werden über ein Mühlrad angetrieben, das sich über einem Wasserlauf befindet, der direkt durch das Haus führt.

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Im ersten Stock des Museums erfuhren wir viel über das Leben in Bohinj, den Bau der Wocheinerbahn, das Aufkommen des Fremdenverkehrs und berühmte Personen der Region.

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Der zweite Stock befasst sich mit dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Bohinj lag im Ersten Weltkrieg zwischen dem Schlachtfeld an der Isonzo-Front sowie dem Hinterland und wurde so zum Sammelgebiet für die nachrückenden Soldaten. Im Zweiten Weltkrieg wehrten sich in dieser Region die Partisanen gegen die deutsche Besatzungsmacht.

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Nach diesem lehrreichen und optisch sehr gut aufbereiteten Ausflug in die Vergangenheit fuhren wir in das nördliche Nebental. In Studor unter dem gleichnamigen, markanten Felsen steht das Oplen-Haus.

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Dieses typische Bauernhaus vom Anfang des 19. Jahrhunderts faszinierte uns durch seine Ursprünglichkeit. Obwohl seit 1974 niemand mehr dort lebt, ist alles so ursprünglich erhalten geblieben, sodass wir das Gefühl hatten, die Bewohner sind zur Arbeit auf dem Feld und kommen jeden Moment bei der Tür herein. Die Rauchküche, der Stall im Kellergeschoß, die Wohn- und Schlafräume, der Dachboden mit dem etwas abenteuerlichen Aufgang und selbst das Plumpsklo am Ende des Balkons vermitteln einen Eindruck vom bäuerlichen Leben vor hundert Jahren.

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Neben den beschaulichen Dörfern fiel uns die Vielzahl der noch erhaltenen Kesen auf. Wir kennen diese Art von Trockengerüsten aus unserer Heimat, dem Gailtal. Nur leider haben diese malerischen Bauwerke in der heutigen Landwirtschaft an Bedeutung verloren, sodass immer mehr verfallen oder aus dem Landschaftsbild verschwinden. In Slowenien dürften sie noch in Gebrauch sein, jedenfalls sahen wir sehr viele davon auf den Feldern, teilweise sogar mitten in den Ortschaften. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Formen – als Eintor- oder wie in diesem Beispiel als Doppelkesen:

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Weiter ging die Fahrt in das benachbarte Stara Fužina, wo der Besuch des Sennereimuseums in der ehemaligen Dorfkäserei auf dem Programm stand. Dieses stellt Bohinj als das Zentrum der Almwirtschaft in Slowenien vor.

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Höhepunkte sind eine originale Hütte von der Alm Zajamniki, die im Museum wieder aufgebaut wurde, und die Geräte zur Käseherstellung (Kupferkessel, Presse,…), immer begleitet von Fotos an der Wand, die derartige Gerätschaften noch in Aktion zeigen.

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Natürlich mussten wir unseren Ausflug in Bohinj mit dem Besuch des Bohinjsko jezero beschließen. Die Beschaulichkeit der Dörfer wurde dort durch eine gewisse Hektik einiger Busgruppen abgelöst, die auch einmal den See und die Kirche des Heiligen Johannes des Täufers an dessen Westseite sehen wollten, neben der Kirche im Bleder See eines der meistfotografierten Wahrzeichen Sloweniens.

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Die Kirche aus dem 14. oder 15. Jahrhundert beeindruckt vor allem durch ihre Fresken. Ursprünglich war die ganze Kirche bemalt, das Innere vermittelt noch einen Eindruck von dieser Farbenpracht.

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Ein paar Schritte von der Kirche entfernt konnten wir schließlich doch noch die Beschaulichkeit des Seeufers genießen und uns auf unseren nächsten Besuch in Bohinj freuen.

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Zu beachten sind die etwas ungewöhnlichen Öffnungszeiten der Museen. Bei unserem Besuch hatten sie jeweils von 10 bis 12 Uhr und von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Mit etwas straffer Organisation konnten wir die Besichtigung aller drei Museen innerhalb der zwei Stunden unterbringen, empfehlenswert ist aber, die Besuche auf Vormittag und Nachmittag aufzuteilen und die Mittagspause in einer der einladenden Gostilnas zu genießen. Die Eintritte kosten pro Museum für Erwachsene 2,50 Euro und für Kinder 2 Euro. Eine Kombikarte für die Museen in Bohinj gibt es noch nicht. Nähere Informationen zu den in diesem Beitrag vorgestellten Museen sowie jenen in Kranj finden sich auf der Homepage von Gorenjski muzei.

 

 

 

 

 

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