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Wenn wir uns an den Geschichte-Unterricht unserer Schulzeit erinnern, müssen wir zugeben, dass nicht allzu viel hängen geblieben ist. Nach den Ägyptern, den Griechen und den Römern klafft bei uns eine kleine Bildungslücke. Wie war das mit der  Völkerwanderung und dem damit verbundenen Untergang des riesigen Römischen Reiches? Genau dieser Frage wird im Museum in Globasnitz und bei Ausgrabungen am benachbarten Hemmaberg nachgegangen.

Funde zeigen, dass dieses Gebiet bereits vor ungefähr 3.500 Jahren besiedelt wurde. Am Hemmaberg wurde schließlich ein Heiligtum errichtert, das zur Zeit der Kelten deren Gottheit Iouenat gewidmet war. Diesen Namen übernahmen die Römer, nachdem sie das keltische Königreich Noricum in ihr Reich eingegliedert hatten, als sie auf dem Gebiet des heutigen Globasnitz die Straßenstation Iuenna errichteten. Der Name Jauntal für das untere Drautal zeugt noch heute davon.

Die Römer wurden schließlich von den Ostgoten verdrängt, die im Zuge der Völkerwanderung in das Land einfielen und von 493 bis 536 herrschten. Aus dieser Zeit stammt das bei Globasnitz ausgegrabene Gräberfeld, das der erste Themenschwerpunkt des Museums im Ort ist.

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Die Beschreibungen an der Wand des Ausstellungsraumes erklären, wie Archäologen anhand der Skelette zwischen Mann und Frau unterscheiden bzw. bestimmen können, an welchen Krankheiten die Menschen litten und wie sie starben. Eine Besonderheit stellen die sogenannten Turmschädel der Ostgoten dar, eine turmartige Verformung der Schädelknochen, die durch das Umwickeln der Köpfe von Kleinkindern zustande kam. Über die Gründe für diese Sitte lassen sich bis heute nur Vermutungen anstellen.

Hervorzuheben ist die anschauliche Gestaltung des Museums sowie die gelungene Vermittlung der Themen für Kinder durch eigene Folder, einen Videofilm sowie nach Absprache die Möglichkeit, selbst ein Mosaik zu legen.

Die Mosaike sind das zweite Hauptthema des Museums. Sie werden im Obergeschoß des Museums gezeigt und stammen von den ausgegrabenen Kirchen am Hemmaberg. Mit 40 Quadratmeter stellen sie die größte Fläche an erhaltenen Mosaiken aus dem Frühchristentum in Österreich dar, obwohl dies nur ein Sechstel der ursprünglichen Menge an Mosaiken am Hemmaberg ist – der Rest ging leider verloren. Ein Zentrum der frühchristlichen Mosaikkunst ist übrigens Ravenna, die Hauptstadt der Ostgoten.

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Der Name „Pilgermuseum“ und die weiteren Ausstellungsstücke weisen auf die Bedeutung des Hemmaberges als Pilgerzentrum hin. Diese endete erst mit der Zerstörung durch die damals noch heidnischen Sklaven um 600.

Nach diesem lehrreichen Museumsrundgang wollten wir noch unbedingt den Hemmaberg selbst besuchen. Auch heute befindet sich dort eine Kirche. Um deren Inneres besichtigen zu können, erhielten wir im Museum gegen Hinterlegung eines Ausweises als Pfand den riesigen Schlüssel für die Kirchentüre. Nach einer kurzen Autofahrt und dem Fußmarsch vom Parkplatz auf den 842 Meter hohen Gipfel steuerten wir an einer riesigen Linde vorbei die Kirche an.

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Die um 1500 errichtete Kirche ist den beiden Heiligen Hemma und Dorothea geweiht. Die eigenartige Raumaufteilung hat ihren Grund in der Erweiterung nach Westen im 17. Jahrhundert, die fünf Barockaltäre stammen aus derselben Zeit. Sehenswert fanden wir die Wandmalereien im Chor, datiert mit dem Jahr 1619.

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Nach diesem Ausflug in die vergleichsweise jüngere Zeit widmeten wir uns endlich den frühchristlichen Ausgrabungen. Insgesamt sind fünf Kirchen zu besichtigen. Etwa in der Mitte des Geländes liegt die älteste Kirche, die um 400 entstanden ist. Dahinter in Richtung Osten befinden sich zwei Kirchen der römisch-katholischen Kirchengemeinde (Gemeindekirche, Gedächtniskirche). Das Kirchenpaar (Gemeindekirche, Taufkirche) auf der Ostseite des Ausgrabungsgeländes gehörte zur arianischen Christengemeinde, die Glaubensrichtung der Ostgoten. Beide Doppelkirchen wurden etwa zur gleichen Zeit um 510 gebaut. Das Nebeneinander und die Entwicklung des Hemmaberges zum Pilgerzentrum ist für uns ein bedeutendes Zeichen von religiöser Toleranz, wie es heute – 1.500 Jahre später (!) – leider noch immer nicht überall zu finden ist. Wir empfanden ein fantastisches Gefühl, auf solch geschichtsträchtigem Boden zu wandeln, und bei den Kindern keimte der Wunsch auf, selbst auch einmal archäologisch zu arbeiten.

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Etwas versteckt unterhalb der arianischen Kirchen befindet sich die von einem Gebäude umgebene Ausgrabung eines Pilgerhauses. Durch Fenster können die Reste der Fußbodenheizung betrachtet werden. Wir fanden auch den Lichtschalter an einer Ecke des Gebäudes, wodurch das Innere beleuchtet wird.

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Am Hemmaberg gibt es noch eine weitere Sehenswürdigkeit: Die Rosaliengrotte mit der im 17. Jahrhundert errichteten Kapelle ist das Ziel von Pilgern aus jüngerer Zeit. Der dort entspringenden Quelle werden heilende Kräfte nachgesagt. Leider ist der Zugang zur Grotte im Moment gesperrt. Durch die Instabilität der Felsen ist ein Zutritt lebensgefährlich, die Sperren und Warnschilder sind daher unbedingt zu beachten. Auch wir widerstanden der Versuchung nachzusehen, was sich dort hinter dem Felsen verbirgt. Ob und wann die Sperre aufgehoben wird, ist im Moment nicht bekannt.

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Zurück in Globasnitz machten wir noch einen Abstecher zur dortigen Pfarrkirche. Gleich daneben fällt der Rundkarner aus dem 13. Jahrhundert mit seinen Wandmalereien im Inneren aus der Renaissance und dem römischen Grabstein in seiner Außenwand auf.

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Die Lichtsäule davor stammt aus dem 16. Jahrhundert, die Pfarrkirche selbst hat romanischen Ursprung. Auffallend sind der langgezogene Innenraum, der durch eine Verlängerung 1946 zustandekam und das Schlingrippengewölbe.

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Schließlich hat Globasnitz noch eine weitere Attraktion: Seit den 1970er-Jahren baut Johann Elbe an diesem Gebäude. Alles daran ist Handarbeit. Gegen Voranmeldung kann Schloss Elberstein auch besichtigt werden. An dieser Stelle wollen wir nicht näher darauf eingehen sondern auf den diesbezüglichen Blog-Beitrag von „Anita auf Reisen“ verweisen.

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Unser Dank geht an die hervorragende Betreuung im Pilgermuseum Globasnitz und an das Landesmuseum Kärnten für die Erlaubnis, unsere Fotos auch öffentlich zeigen zu können!

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