Der Weißensee im Norden der Gailtaler Alpen ist zwar längst kein Geheimtipp mehr aber in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes: Mit 11,6 Kilometern Länge und einer Breite von bis zu 900 Metern ist er der viertgrößte See Kärntens. Er liegt 930 Meter über dem Meeresspiegel und ist somit der höchstgelegene der Seen in unserem Bundesland. Trotz dieser Höhenlage erreicht er im Sommer eine angenehme Badetemperatur. Der Grund dafür ist die relativ windstille Lage durch die umgebenden Berge. Im Winter kann es sein, dass der gesamte See zufriert und somit die größte Eisfläche der Alpen bildet. Der Großteil des Sees liegt in einem Naturschutzgebiet, unverbaute Ufer und eine fehlende Durchzugsstraße zwischen dem West- und dem Ostufer zeugen davon.

Per Schiff ist es dennoch möglich, von West nach Ost (bzw. auch umgekehrt) zu kommen. Unser Plan für die Weißensee-Erkundung war eine Schifffahrt von Neusach – etwa in der Mitte des Nordufers gelegen – bis zum Gasthof Dolomitenblick am Ostufer und zu Fuß das Nordufer entlang bis zum Ausgangspunkt zurück. Achtung: Der Weißensee wird von zwei Schifffahrtslinien befahren, jener der Schifffahrt Müller und der Linie der Schifffahrt Winkler. Im Jahr 1929 von zwei Geschwistern gegründet gehen diese Betriebe mittlerweile getrennte Wege. Dies hat für die Besucher leider auch negative Auswirkungen: So gibt es keinen gemeinsamen und einheitlichen Fahrplan bzw. dementsprechende Aushänge an den Anlegestellen und zum Zeitpunkt unseres Besuches durfte wegen Unstimmigkeiten nur die Schifffahrt Müller die Haltestelle Dolomitenblick, die einzige am Ostufer anfahren.

Wir ließen uns dadurch aber nicht beirren und stiegen bei der Anlegestelle Seefriede in Neusach auf das Schiff Richtung Dolomitenblick.

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Unser Auto ließen wir bei der Umkehrschleife in Neusach stehen, wo einige gebührenpflichtige Parkplätze (6 Euro Tagesgebühr) zur Verfügung stehen. Durch die gemächliche Geschwindigkeit des Schiffes konnten wir die vorbeiziehende Uferlandschaft so richtig genießen.

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Schön zu erkennen waren die hellen, fast weißlichen Uferstreifen. Diese entstanden durch Kalkablagerungen und gaben dem See seinen Namen.

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Wir hatten oft das Gefühl, mitten auf einem norwegischen Fjord zu fahren. Dieses wurde durch die Felswände direkt am Ufer noch verstärkt. Unmittelbar vor einem dieser Felsen befindet sich mit 99 Metern die tiefste Stelle des Sees. Bei genauem Hinsehen ist die darauf hinweisende blaue Markierung zu erkennen.

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Zur Freude des Kapitäns, der nebenbei unseren Junior in die Geheimnisse seines Schiffes und seiner Arbeit einweihte, tummeln sich nur wenige Segler auf dem See. Grund dafür ist die bereits erwähnte windstille Lage. Surfer sahen wir am Tag unseres Besuches überhaupt nicht. Für die Schifffahrt unangenehmer sind die Fischerboote, auf die Rücksicht genommen werden muss. Der Weißensee gilt wegen der hohen Wasserqualität als gutes Fischgewässer.

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Bei der Schiffsanlegestelle Dolomitenblick endete der etwa 40 Minuten lange, gemütliche Teil unseres Ausflugs. Ab nun ging es zu Fuß weiter. Zuerst ein kurzes Stück der Zufahrtsstraße entlang zum eigentlichen Ostufer, wo wir eine Brücke über den Ausfluss des Sees überquerten, bis wir zum Gelände des Campingplatzes kamen.

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Der weitere Wegverlauf ist schnell erklärt: Er führt stets in der Nähe des Ufers, die wenigen Abzweigungen nach rechts sind zu ignorieren. Zunächst ist der Weg relativ eben und leicht zu begehen. Immer wieder laden nette Plätze zum Verweilen am Ufer ein.

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Ungefähr auf der Höhe der bereits vom Schiff gesehenen Felswände wird der Weg steiler und durch hohe Stufen auch anstrengender. An der höchsten Stelle befanden wir uns ca. 60 Meter über der Wasseroberfläche.

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Nach der Schiffsanlegestelle „Kleine Steilwand“ wird der Weg wieder etwas gemütlicher. Aber auch auf diesem Abschnitt ist der eine oder andere spektakuläre Ausblick garantiert.

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Das Hotel Ronacherfels markiert gleichzeitig die Rückkehr in die Zivilisation. Die Zufahrt auf der Schotterstraße ist zwar nur für Gäste erlaubt, trotzdem sollte auf den Autoverkehr geachtet werden. Radfahrer dürfen hier ebenfalls fahren. Wir trafen sogar auf einige, die mit ihrem E-Bike den gesamten Norduferweg in Angriff nehmen wollten. Davon ist aber dringend abzuraten, da es weder erlaubt noch der Weg dafür geeignet ist. Wer per Rad vom West- zum Ostufer des Sees gelangen möchte, sollte entweder die offiziellen Mountainbike-Routen über die Almen (sowohl am Nord- als auch am Südufer möglich) wählen oder sein Rad auf das Linienschiff verladen.

Die Wanderung entlang des Nordufers dauert in etwa zwei Stunden, der mittlere Abschnitt bei den Felsen verlangt ein wenig Kondition und Trittsicherheit. Der Weg führt oft durch den schattigen Wald, durch die Nähe zum Wasser und die vielen Natur-Bademöglichkeiten ist diese Wanderung ideal für wärmere Tage. Trotz aller Anstrengungen war der Tag am Weißensee für uns Genuß pur – ein paar bewegte Bilder sollen euch einen Eindruck davon vermitteln:

Bild 2

Kartenausschnitt © OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA

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