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Bereits beim Welttag der FremdenführerInnen in Villach wurden uns die verschiedenen Themenführungen schmackhaft gemacht. Diese finden im Sommer jeden Mittwoch um 16:45 Uhr statt und dauern ca. zwei Stunden. Wir empfehlen, direkt im Tourismusbüro Villach anzufragen, welches Thema wann am Programm steht (Telefon: + 43 4242 / 205 2900, E-Mail: tourismusinformation.stadt@villach.at). Wir entschieden uns (bzw. war es zugegebenermaßen der Wunsch der männlichen Häfte von M.A.R.S.) für das Thema „Die Eisenbahnerstadt“. Treffpunkt war vor der Tourismusinformation in der Bahnhofstraße bei der Draubrücke. Unsere Führerin Gerlinde Klammer-Minichberger holte uns dort pünktlich wie die Eisenbahn ab.

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Sie erzählte uns zunächst vom Aufschwung der Stadt Villach, der begann, als Villach im Jahr 1864 an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde. War es zunächst nur die Strecke nach Klagenfurt, so wurde Villach in den folgenden Jahren aufgrund seiner geografischen Lage zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt mit Bahnstrecken in alle Himmelsrichtungen.

Anschließend gingen wir zum Hauptbahnhof, dem heutigen Zentrum des Villacher Eisenbahnverkehrs. Dieser Bau war typisch für die 1950er-Jahre und wurde in den 1990er-Jahren aufwendig renoviert. Die Bahnhofshalle wird nach wie vor durch zwei übergroße Gemälde aus der Nachkriegszeit dominiert. Diese stammen von den beiden wegen ihrer Nähe zum Nationalsozialismus umstrittenen Künstlern Heinrich Ebner und Karl Bauer (letzteren kennen wir bereits vom Kreuzweg am Klagenfurter Kreuzbergl). Der Stil jener Malerei passte in den Zeitgeist nach dem Krieg und fand daher eher Anklang als die etwa zur selben Zeit enstandenen Fresken von Giselbert Hoke am Klagenfurter Hauptbahnhof.

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Für den nächsten Programmpunkt durften wir jenen Aufgang aus dem unterirdischen Bahnsteigtunnel nehmen, dessen Betreten normalerweise nicht erlaubt ist. Er führte uns direkt in die Betriebsführungszentrale (BFZ) der ÖBB.

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Diese Zentrale ersetzt nach und nach die Stellwerke und Fahrdienstleiter entlang der Eisenbahnstrecken. Mittels modernster Technik wird in naher Zukunft der gesamte Eisenbahnverkehr im Süden Österreichs von Villach aus gesteuert. Ein Film vermittelte uns einen guten Eindruck über diese neue Form der Zugsteuerung. Es stand uns auch ein ÖBB-Mitarbeiter für Fragen zur Verfügung, bevor wir wieder zu einem regulären Bahnsteig zurückgingen, wo bereits eine S-Bahn auf uns wartete.

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Mit dieser fuhren wir zum Villacher Westbahnhof, dem ehemaligen Staatsbahnhof. Dessen ausgedehnte Gleisanlagen weisen auf die Werkstätten zur Wartung des Rollmaterials hin.

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Für das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude hat die ÖBB heute keine Verwendung mehr. Es ist an den Verein „Westbahnhoffnung Villach – Tabea Lebenshilfe“ vermietet, die Hilfe für Menschen in Not anbietet und dafür 2015 mit dem Menschenrechtspreis des Landes Kärnten ausgezeichnet wurde. Die Schalterhalle wurde zu einem Speisesaal umfunktioniert und ist nicht für Besichtigungen zugänglich. Wir bewunderten das schöne Jugendstil-Gebäude daher nur von außen.

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Nicht weit vom Westbahnhof entfernt befindet sich die Evangelische Kirche im Stadtpark. Diese bildete aus städtebaulicher Sicht den Schlusspunkt jener Achse, die vom Hauptbahnhof, der Katholischen Nikolaikirche über den Hauptplatz und die 10.-Okober-Straße hierher führte.

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Der Bau der Kirche war mit dem Wachsen der Evangelischen Gemeinde verbunden, welches wiederum mit dem Aufschwung durch die Eisenbahn zu tun hatte. In dieser Blütezeit enstanden auch die Prachtvillen entlang der 10.-Oktober-Straße.

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Das neben dem Perau-Gymnasium markanteste Gebäude ist jenes der Bundesbahndirektion, das noch heute als Verwaltungsgebäude von den ÖBB genutzt wird.

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An dieser Stelle endete unsere Führung, bei der wir viel über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der Eisenbahnerstadt Villach erfuhren. Wie es der Zufall so will, parkten wir unser Auto nördlich des Hauptbahnhofs, sodass wir zum Abschluss des lehrreichen und spannenden Tages noch einige Bahn-Augenblicke einfangen konnten:

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