Unsere Begeisterung für antike Ausgrabungen haben wir bereits im Artikel über die Ausgrabungen am Hemmaberg erwähnt. Unser nächster Ausflug in die Welt der Archäologie sollte dennoch ein ganz anderer werden. Einerseits bewegten wir uns für einen Blog-Beitrag erstmals über die Grenzen des Dreiländerecks Kärnten-Friaul-Slowenien hinweg, und zweitens bietet der Archäologische Park in Carnuntum eine ganz andere Art des Erlebens vergangener Zeit.

Die antike Stadt Carnuntum erstreckte sich auf einer Fläche von ca. 10 Quadratkilometern zwischen Wien und Bratislava. Die Lage an der Donau, der damaligen nördlichen Grenze des riesigen römischen Reiches, war sowohl für das Militär von Bedeutung (Kaiser Mark Aurel ließ sich dort sogar für drei Jahre nieder), machte die Stadt aber auch zu einer wichtigen Handelsmetropole. Die Blütezeit von Carnuntum war in der Zeit vom 1. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr., bis zu 50.000 Bewohner lebten in der Stadt.

Was uns an dem heutigen Carnuntum überraschte, war die Art und Weise der Geschichtsvermittlung. Der Schwerpunkt liegt im Erleben der Römerzeit. Manche Gebäude wurden nach den neuesten Erkenntnissen rekonstruiert und mit originalgetreuen Einrichtungsgegenständen ergänzt, sodass wir uns mitten in die damalige Zeit versetzt fühlten und einen sehr realitätsnahen Eindruck vom Leben in der Stadt erhielten.

Beim Eingangsbereich zum Freilichtmuseum des römischen Stadtbezirks in Petronell-Carnuntum empfing uns ein moderner Bau, in dem wir einen ersten Eindruck von der Bedeutung und der Größe der Römerstadt und des benachbarten Militärlagers erhielten.

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Das Freigelände präsentiert sich als Mischung von freigelegten Gebäuderesten und den bereits erwähnten rekonstruierten Gebäuden.

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Begeistert betraten wir das Haus des Lucius und fanden, dass dieses einen sehr gemütlichen Eindruck vermittelt.

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Nur teilweise rekonstruiert ist das sogenannte Domus quarta (Haus IV). In diesem befindet sich das einzige, in Carnuntum erhalten gebliebene römische Fußbodenmosaik.

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An Ruinen vorbei schlenderten wir zur Villa Urbana, das Haus eines offenbar sehr reichen Bewohners von Carnuntum.

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Abschluss und Höhepunkt des Rundgangs in der Stadt ist der Nachbau der römischen Therme. Angefangen von den Verkaufsständen für hungrige Besucher über die Latrinen bis hin zu sämtlichen Wellness-Räumen ist alles vorhanden, was für den Besuch eines römischen Bades notwendig war. Selbst die Temperatur der einzelnen Badebecken wurde an die damaligen Gepflogenheiten angepasst.

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Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus und waren einstimmig der Meinung, dass wir uns so ein Leben durchaus vorstellen können. Uns ist natürlich bewusst, dass dieses damals nur einer kleinen Schicht vorbehalten war und der Alltag nicht immer so annehmlich war, wie er uns hier präsentiert wurde.

Der Stadtbezirk nahm nur eine kleine Fläche der gesamten Römerstadt ein (etwa 0,5 Prozent sind freigelegt). Dementsprechend sind noch andere Standorte zu besichtigen. Das Amphitheater der Zivilstadt liegt nur etwa 10 Gehminuten vom Stadtbezirk entfernt. Wir wollten uns die Reste des ursprünglich 13.000 Zuschauer fassenden Theaters natürlich nicht entgehen lassen. Am Weg dorthin entwickelte sich ober uns eine zunächst harmlos erscheinende Wolke zu einem heftigen Gewitterregen, sodass wir die Besichtigung eher kurz hielten, auf den unmittelbar daneben liegenden Nachbau einer Gladiatorenschule verzichteten und stattdessen zurück zum Auto liefen.

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Wetterbedingt benötigten wir nun ein Indoorprogramm. Also fuhren wie nach Bad Deutsch-Altenburg zum Besuch des Museums Carnuntinum. Dieses wurde eigens für die Fundstücke von Carnuntum gebaut und 1904 von Kaiser Franz Joseph persönlich eröffnet.

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Das Museumsgebäude wurde einer römischen Villa nachempfunden. Zentrales Element ist daher ein Atrium, welches im Erdgeschoß den Nachbau eines Mithras-Heiligtums beherbergt. Solche Denkmäler waren in der Antike bunt. Um einen Eindruck davon zu vermitteln, wird der Stein im Museum aufwendig färbig bestrahlt.

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Weitere Exponate erzählen die Geschichte vom Leben in der Stadt und dem Militärlager von Carnuntum.

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Nachdem sich mittlerweile der Regen verzogen hatte, konnten wir uns wieder den restlichen Freiluft-Sehenswürdigkeiten widmen. Zunächst besuchten wir das Amphitheater der Militärstadt ungefähr auf halbem Weg zwischen Bad Deutsch-Altenburg und Petronell-Carnuntum. Dieses bot etwa 8.000 Besuchern Platz und wird, wie die nachgebauten modernen Tribünen andeuten, auch heute noch für so manches Spektakel genützt.

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Das bekannteste Bauwerk hoben wir uns für den Schluss auf. Das Heidentor, ca. 900 Meter südlich der Zivilstadt, wurde vermutlich im 4. Jahrhundert n. Chr. als Thriumphalmonument an einer der Zufahrtsstraßen nach Carnuntum errichtet. Unter dem Torbogen zu stehen, hat uns beeindruckt, vor allem, wenn man bedenkt, welche Ausmaße das Tor ursprünglich hatte.

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Wichtige Informationen zu einem Besuch in der Römerstadt findet ihr auf der Homepage von Carnuntum. Dort wird auch auf Veranstaltungen hingewiesen, bei denen die Zeit der Römer noch intensiver nacherlebt werden kann.

 

 

 

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