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„Alle Straßen führen nach Rom“, lautet ein bekanntes Sprichwort. Dass es umgekehrt an allen Strassen auch Spuren römischer Herrschaft geben muss, ist zum Leidwesen von Archäologie-Begeisterten wie uns nicht immer der Fall. Trotzdem finden sich zwischen den Bergen Osttirols nahe Lienz Ausgrabungen einer römischen Siedlung, der einzig bekannten in Tirol: Aguntum. Durch die verkehrstechnisch günstige Lage und den Wohlstand basierend auf den Bodenschätzen aus den nahen Tauern entwickelte sich diese Stadt ab dem ersten Jahrhundert nach Christus zu einem blühenden Handels- und Gewerbezentrum.

Heute deutet der 2005 eröffnete, moderne Museumsbau unmittelbar neben der Drautaler Bundesstraße darauf hin, dass Interessierte hier in die römische Vergangenheit eintauchen können.

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Da uns ein paar Regenschauer zunächst davon abhielten, das Ausgrabungsgelände zu besuchen, widmeten wir uns zuerst dem Museum, in dem wir gleich äußerst freundlich empfangen wurden. Erster Programmpunkt war ein kurzer Film, der das Leben zur Zeit der Römer in Aguntum eindrucksvoll veranschaulicht. Danach hatten wir selbst die Gelegenheit, uns wie Römer zu fühlen, indem wir die bereit liegenden Kleider ausprobierten.

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Im Museum bewunderten wir die ansprechend präsentierten Fundstücke aus der Antike. Dazu zählen beispielsweise das in das Museum verlegte Marmorbecken aus dem Garten des Atriumhauses oder der Nachbau einer römischen Küche.

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Mittlerweile hatte sich der Regen wieder verzogen. Also legten wir das römische Gewand wieder ab und begaben uns in das Freigelände. Dieses liegt zu beiden Seiten der Bundesstraße 100, das erwähnte Marmorbecken des Atriumhauses war sogar genau an der Stelle, wo heute die Straße ist. Dort wo die Trägersäulen der Straßenbrücke stehen, trugen vor 2000 Jahren kleine Säulen den Fußboden und ermöglichten dadurch mittels Fußbodenheizung ein angenehm, warmes Raumklima. Diese Technik, welcher wir immer wieder bei Ausgrabungen begegnen, erstaunt uns jedes Mal aufs Neue. Das Atriumhaus unmittelbar daneben, das Wohnhaus der reichsten Familie Aguntums, ist durch einen modernen Bau geschützt.

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Im Ausgrabungsgelände sahen wir Gebäudereste, die wir aufgrund des eingangs erwähnten Films relativ schnell zuordnen konnten. So fanden wir das Macellum, ein Marktgebäude mit einer einzigartigen Form. In den strahlenförmig auseinanderlaufenden Räume wurden die unterschiedlichen Waren angeboten.

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Das Handwerksviertel bestand aus vielen kleineren Häusern. Die Bedeutung der größeren Steine an den Ecken wurde uns auch im Film erklärt. Sie dienten der Abweisung der Räder der römischen Pferdewagen.

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Zur besseren Übersicht auf das Gelände erklommen wir die 91 Stufen des 18,9 Meter hohen Aussichtsturms.

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Von dort hatten wir einen guten Blick auf die Reste der Therme, deren Heizsysteme wir natürlich auch aus der Nähe betrachten mussten.

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Durch Planen abgedeckte Ausgrabungsbereiche lassen hoffen, dass in den nächsten Jahren noch mehr Interessantes zu Tage treten wird. Dies weckte in uns wieder einmal den Wunsch, selbst archäologisch zu arbeiten. Wir stellen uns diese Tätigkeit anstrengend, aber auch sehr spannend vor. Zwischen weiteren Gebäuderesten hindurch schlenderten wir gemütlich zu einem weiteren markanten Punkt von Aguntum, der dicken Mauer im Osten der Stadt mit den zwei Türmen des Haupttores, dessen Dimensionen mit Hilfe moderner Materialien rekonstruiert wurden.

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Aguntum wurde ab dem dritten Jahrhundert immer wieder von einfallenden Germanen bedroht und schließlich bei der großen Schlacht zwischen Bajuwaren und Slawen um das Jahr 610 endgültig zerstört. Die Bevölkerung suchte in der Zeit der Bedrohungen Schutz im nahegelegenen Lavant, das durch die erhöhte Lage vor Angriffen sicherer war. Die davon zeugenden Reste wollten wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen. Beeindruckend ist die Ausgrabung der frühchristlichen Kirche aus dem fünften Jahrhundert, der sogenannten Bischofskirche.

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Dass der Kirchbichl von Lavant über die Jahrhunderte bis heute von Bedeutung ist, zeigen die beiden anderen Kirchbauten. Zum einen ist das die Pfarrkirche St. Ulrich in unmittelbarer Nähe der Ausgrabungen, dessen Ursprungsbau zwischen 750 und 1050 errichtet wurde. Nach einigen Umbauten und Vergrößerungen erhielt sie ihr barockes Aussehen im Jahr 1770.

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Wir waren fast geblendet von dem barocken Glanz, den wir so an dieser Stelle nicht erwarteten – welch ein Kontrast zu den römischen Ruinen, aber auch zum spätgotischen Kirchlein St. Peter und Paul auf der Spitze des Kirchbichls mit dem Flügelaltar und der auffallenden Decke, das unseren Ausflug in die Welt der Römer sowie der frühchristlichen Besiedlungen beendete.

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Informationen zu den aktuellen Öffnungszeiten und Eintrittspreisen findet ihr auf der Homepage von Aguntum.

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